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Resilienz – innere Stärke bei Kindern fördern

Manche Menschen wirft die kleinste Veränderung aus der Bahn, andere gehen Herausforderungen gelassen an. Resilienz nennt die Wissenschaft diese innere Widerstandsfähigkeit, die Menschen hilft Krisen zu meistern und ein gutes Selbstwertgefühl zu bewahren. Resiliente Menschen bleiben trotz widriger Lebensumstände, schwierigen Familienverhältnissen, Stress oder Trauma psychisch gesund.

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Kinder werden nicht resilient geboren, Resilienz kann jedoch im Verlauf der Entwicklung im Kontext der Kind-Umwelt-Interaktion erworben werden. Resilienz ist also erlernbar. Schritt für Schritt. Je früher desto besser. Am besten in den ersten 10 Lebensjahren. Doch auch im Erwachsenenalter ist es nicht zu spät.
Was macht also resiliente Kinder aus und wie können wir ihnen helfen diese innere Widerstandsfähigkeit zu entwickeln?

Kinder entwickeln ihre Widerstandsfähigkeit im Zusammenspiel mit ihrem Umfeld. Ein grundlegender Aspekt aus der Forschung ist, dass Kinder mindestens eine verlässliche, erwachsene Bezugsperson brauchen, die ihnen Wertschätzung und Verständnis entgegenbringt. Damit Kinder Resilienz aufbauen können, brauchen sie Geborgenheit, Vertrauen und Interesse. In der alltäglichen Interaktion d.h. durch den Austausch zwischen Kind, Bezugsperson und Umwelt entwickeln Kinder die nötigen Fähigkeiten.

Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung

Resiliente Kinder und Menschen allgemein verfügen über eine gut ausgeprägte Selbstwahrnehmung. Sie können ihre eigenen Gefühle und die von anderen erkennen und einordnen (Empathie), sie wissen also ob sie traurig, wütend, enttäuscht oder nur unausgeschlafen sind. Ausserdem können sie die eigenen Gefühle kontrollieren und regulieren. Sie sind ihnen dadurch nicht einfach ausgeliefert, sondern wissen, dass sie in der Lage sind ihre Gefühle zu beeinflussen und diese zu kontrollieren. Die Kinder erleben sich als selbst-wirksam.

Eltern und Bezugspersonen können Kindern helfen diese Kompetenzen zu entwickeln, indem sie selbst über ihre eigenen Gefühle sprechen, dem Kind helfen, seine Gefühle auszudrücken und einen kompetenten Umgang mit Gefühlen vorleben. Kommt das Kind beispielsweise frustriert und traurig vom Kindergarten heim, weil es sich dort von der Lehrperson oder anderen Kindern ungerecht behandelt fühlt, gibt es laut Resilienzforscher Klaus Fröhlich-Gildhoff nur eine sinnvolle Reaktion: Dem Kind zunächst einfach nur zuhören: „Was ist passiert? Wie hast du dich dabei gefühlt?“. Hilfreich ist es auch die Gefühle des Kindes zu spiegeln: „Das hat dich sicher total geärgert:“ Bleiben Sie also bei den Gefühlen des Kindes, denken Sie nicht sofort an eine Lösung, zumindest solange die Wogen der Emotionen noch hochkochen. Fragen Sie was dem Kind jetzt gut tun würde und versichern sie ihm, dass sie später gemeinsam nach einer Lösung suchen werden.

Ungünstig wäre es hingegen, das Kind versuchen zu trösten, indem wir das Problem als Bagatelle abtun: „Ist doch nicht so schlimm“. Das kann dazu führen, dass sich das Kind und seine Gefühle nicht ernstgenommen fühlt, mit der Zeit den eigenen Gefühlen nicht mehr traut oder lieber nicht mehr darüber spricht. Genauso nachteilig wäre es, wenn wir selbst wütend und emotional werden, uns über die Lehrperson oder die anderen Kinder entrüsten und zum Hörer greifen, um uns bei der Lehrperson zu beschweren. Statt uns um das Kind zu kümmern, lassen wir uns von unseren eigenen Gefühlen überwältigen. Möglicherweise machen wir mit unserem Aktionismus das Problem für das Kind noch grösser.

Selbstvertrauen und Problemlösekompetenz

Resiliente Kinder haben ein gutes Selbstvertrauen, erkennen ihre Stärken und entwickeln Strategien zur Problemlösung. Um sie darin zu stärken, brauchen sie Herausforderungen, die sie lösen können, die ihre Widerstandsfähigkeit mobilisiert. Jedes negative Ereignis, mit dem ein Kind konfrontiert wird, stellt eine Möglichkeit dar, den Umgang mit Problemen zu erlernen, die eigenen Fähigkeiten bei der Problemlösung und damit Selbstvertrauen zu entwickeln. Jedes Problem, das sie meistern, lässt Kinder stärker werden. Dann entwickeln sie die Zuversicht, auch zukünftig mit Problemen fertig zu werden. Bezugspersonen unterstützen Kinder in dieser Entwicklung, wenn sie ihnen etwas zutrauen, sie immer mal wieder herausfordern, ihnen versichern da zu sein, aber nicht mehr Hilfe als nötig anbieten.
Wenn ein Kind vor eine Herausforderung steht, versuchen Sie ihm nicht alles abzunehmen oder mit „Du schaffst das“-Parolen zu „helfen“. Besser ist es, die Gefühle zu spiegeln „Du kannst dir gerade nicht vorstellen, dass du das jemals schaffen/können wirst“. Helfen Sie dann sich in Ruhe mit der Aufgabe auseinanderzusetzen: „Komm wir schauen es uns mal an“.

Wenn es einem Kind gelungen ist ein Problem zu lösen, sprechen sie mit ihm darüber, wie es das geschafft hat. Dadurch helfen sie ihm, sich nützliche Strategien bewusst zu machen und kann später auf diese zurückgreifen.

Optimismus und Dankbarkeit

Resiliente Menschen haben ein realistisches Verständnis davon, was ihre Stärken und wo ihre persönlichen Grenzen sind. Sie haben eine grundlegende Zuversicht mit Herausforderungen fertig zu werden. Menschen mit einem gesunden Optimismus leben länger, sind körperlich fitter, haben glücklichere Beziehungen und sind erfolgreicher. Mit Optimismus ist hier die Überzeugung gemeint, dass das Leben lebenswert ist, viel Schönes bereithält und sich Krisen und Schwierigkeiten überwinden lassen. Optimismus in der Familie können wir fördern, indem wir unsere Kinder dazu anleiten, inne zu halten und dankbar zu sein für alles Gute, das uns manchmal selbstverständlich erscheint.

Ausserhalb der Familie ist die vorschulische Erziehung in Kitas, Kindergärten und der Schule ein wichtiges Lernfeld um die Widerstandskraft bei Kindern zu fördern. Es geht in den Betreuungs- und Bildungseinrichtungen nicht nur um die Entwicklung intellektuell-kognitiver Fähigkeiten, sondern sie stellen auch ein Ort bereit, an dem Kinder Freundschaften entfalten, Bindungsverhalten und Beziehungskompetenzen entwickeln. Diese kindliche Entwicklung der Beziehungsfähigkeit ist Voraussetzung dafür, dass Kinder auch später unterstützende und tragfähige Beziehungen eingehen können. Das ist eine wichtige Grundlage von Resilienz.
Bildungseinrichtungen mit einer guten Qualität verstehen es, eine Atmosphäre aufzubauen, in der Beziehungen gelingen, in der Lernen Spaß macht, in der die Kinder motiviert werden, weil sie merken, dass sie ernst genommen werden und dass man an ihr kreatives Potential glaubt.

Um den Prozess der Resilienz-Entwicklung bei Kindern positiv zu beeinflussen, bietet KiMi den Kindern eine anregende Umgebung mit Entscheidungsspielräumen. Dadurch wird der Umgang mit Problemen oder Schwierigkeiten gefördert sowie die Entwicklung der eigenen Fähigkeiten bei der Problemlösung unterstützt.
Wir bei KiMi begleiten die Kinder bei der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt und fördern ihr Selbstvertrauen durch die Erfahrung von Selbstwirksamkeit.

KiMi wünscht viel Freude beim Entdecken und Experimentieren.
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