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Eingewöhnung aus den Augen einer Mutter

Inzwischen ist ihre Tochter schon ein erfahrenes Kita-Kind und hat die Kita als festen Bestandteil ihres Alltags und ihrer Umgebung akzeptiert. Doch als Marielle ihre damals sechs Monate alte Tochter zum ersten Mal in die Kita zur Eingewöhnung brachte, stand sie doch mit etwas mulmigen Gefühlen vor der Herausforderung. In ihrem Erfahrungsbericht beschreibt sie, wie die Eingewöhnung bei ihr lief.

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Die Eingewöhnung unserer Tochter steht vor der Türe. Noch vor ihrer Geburt haben wir uns um den Kita-Platz gekümmert im Wissen darum, dass gewisse Wochentage sehr gefragt und schnell ausgebucht sein würden. Was dazumal beim Rundgang durch die Krippe noch alles sehr abstrakt schien, wird nun sehr konkret als ich mit meiner 6-monatigen Tochter vor der Krippentüre stehe und bei der Gruppe «Räupli» auf die Klingel drücke.

Gar nicht so einfach loszulassen

Ich habe mir immer vorgestellt, dass ich eine dieser Mamas sein werde, die ihr Kind mit einer gewissen Leichtigkeit in der Kita abgeben wird. Ich bin der festen Überzeugung, dass meine Tochter in der Kita sehr gut aufgehoben ist und ein Programm und Unterhaltung angeboten bekommt, die mein Mann oder ich ihr alleine zu Hause kaum bieten können. Dazu kommt noch der soziale Austausch mit anderen Kindern, die Betreuung durch ausgebildete Fachpersonen, die Möglichkeit bei organisatorischen Notfällen einen Zusatztag buchen zu können und, und, und – Gründe dafür gab es genug, warum wir uns bewusst für die Kita-Betreuung entschieden hatten. Und doch, so einfach, wie das alles von aussen aussieht, ist es eben dann doch nicht. Als die Eingewöhnung meiner Tochter ansteht, entspricht die Realität dann doch nicht genau meiner theoretischen Wunschvorstellung von mir als gelassener Mami. Denn plötzlich sind da doch diese Fragen: Was ist, wenn sie den ganzen Tag durchweint? Was, wenn sie einfach nicht schläft, wenn die Betreuerinnen versuchen, sie im Bettchen schlafenzulegen? Was, wenn sie nicht versteht, warum Mami und Papi sie einfach an einem «fremden» Ort abgeben?

Mit jedem Tag steigt das Vertrauen

Wir werden sehr herzlich von der Gruppenleiterin empfangen. Ich muss vielleicht noch erwähnen, dass ich eine halbe Stunde später «eintrudle» als ursprünglich geplant. 10 Uhr war abgemacht, aber was soll ich tun, wenn meine Tochter gerade auf dem Weg in die Krippe einschläft? Wecken und in Kauf nehmen, dass sie noch müde ihre ersten Eingewöhnungsstunden machen muss oder lieber schlafen lassen und zu spät kommen? Ich habe mich für das Zweite entschieden und mich natürlich vorher bei der Gruppenleiterin gemeldet. Das sei überhaupt kein Problem, wurde mir versichert. Ausgeschlafen lässt es sich doch viel besser eingewöhnen.

Umringt von allen anderen Kindern, die sichtlich aufgeregt sind, dass ein neues Mitglied zur Kindergruppe dazustossen wird, werden wir in den Gruppenraum begleitet, wo ich meine Tochter auf den Spielteppich lege und sie schon mit grossem Interesse die vorbereiteten Spielzeuge betrachtet.

Der erste Tag steht ganz im Zeichen des Kennenlernens der Betreuungspersonen, der Räumlichkeiten und vor allem der Gewohnheiten. Die Betreuerinnen stellen viele Fragen zu Schlafrhythmus, Essgewohnheiten und Vorlieben meiner Tochter. Nur schon die detaillierten Fragen geben mir viel Vertrauen, dass die Gruppenleiterin genau weiss, welche Informationen sie benötigt. Die Stunde geht fast zu schnell rum und wir werden wieder entlassen. Mein Kind hat nicht geweint und war rundum zufrieden. Mir fällt ein erster Stein vom Herzen und ein Gedanke macht sich breit, dass die Eingewöhnung vielleicht doch nicht so schwierig werden wird wie befürchtet.

Der zweite Tag (wir sind wiederum eine halbe Stunde später dran) verläuft genauso problemlos.
Es beginnt die erste kleine Mini-Trennung, indem die Gruppenleitung meine Tochter ohne mich durch die Gruppenräumlichkeiten trägt, ihr alles zeigt und dann wieder zu mir zurückkommt. Soweit so gut.

Der dritte Tag folgt und ich verlasse die Krippe für zwei Stunden ohne meine Tochter. Leicht nervös und etwas besorgt ob, alles klappen wird, steuere ich das erste Café um die Ecke an und verbringe die Zeit bis zum Mittagessen mit Kaffee-Trinken, Gipfeli essen und in Ruhe etwas lesen. Wie schön und doch eigenartig es zugleich ist. Als ob ich etwas Wichtiges zu Hause vergessen hätte. Nach genau zwei Stunden stehe ich wieder in der Krippe und erhalte die Rückmeldung, dass alles problemlos verlaufen sei und meine Tochter sogar die ganze Brei-Portion zum Mittagessen verschlungen habe. Tipptopp, wieder ein Meilenstein geschafft.

In den folgenden zwei Tagen verlängern sich die Zeitfenster von zwei auf vier Stunden, also mit Mittagessen und Schläfchen. Schlafen?! Oh je. Mir ist etwas bange. Meine Tochter ist ein absolutes Trage-Kind. Ich kann an den Fingern abzählen, wieviel Mal sie tatsächlich im Kinderwagen oder in ihrem Bettchen eingeschlafen ist. Wie also werden die Betreuerinnen sie zum Einschlafen bringen?

Heute muss ich lächeln, wenn ich an diese Momente und an meine Zweifel zurückdenke. Ich habe mein Kind in dieser Einführungsphase seelenruhig schlafend auf den Armen der Gruppenleiterin, in der Trage vorne oder auf den Rücken gebunden oder schlafend im Bettchen von der Krippe abgeholt. Wenn eine Methode nicht funktioniert hat, dann haben die Betreuerinnen etwas anderes ausprobiert. Schlussendlich immer mit Erfolg. Ich habe meine Lektion gelernt: In der Kita gelten andere Regeln als zu Hause. Was Daheim vielleicht nicht funktionieren mag, klappt in der Kita, und was zu Hause aus dem Teller aussortiert wird, wird in der Kita in grossen Mengen verschlungen.

Nach einer Woche konnten wir mit gutem Gefühl die Betreuungs-Zeitfenster auf ganze Tage ausweiten und so waren wir im Nu im regulären Kita-Rhythmus und ich konnte nach meinem Mutterschaftsurlaub mit einem sehr guten Gefühl wieder in den Arbeitsalltag einsteigen. Ich glaube, dass wir im Vergleich zu vielen anderen Eltern eine reibungslose Eingewöhnung hatten und dafür bin ich sehr dankbar. Dennoch ist eine Eingewöhnung eine emotionale Sache, wenn man sein Kind zum ersten mal ausserfamiliären Betreuer/innen überlässt. Ich kann heute gut nachvollziehen wie nervenaufreibend es sein kann, wenn man angerufen und gebeten wird, das Kind abzuholen, weil es sich nicht beruhigen lässt oder ein weinendes Kind vor Ort zurücklassen muss.

Erfolgsentscheidend

Rückblickend waren für uns folgende zwei Faktoren entscheidend für unsere unkomplizierte Eingewöhnung: Der Kita-Start im Alter von sechs Monaten scheint für meine Tochter ideal gewesen zu sein. Heute wissen wir, dass sie einige Monate später eine ziemlich stark ausgeprägte «Fremdeli-Phase» hatte und dies die Eingewöhnung zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt erschwert hätte.
Und ebenfalls zentral: Vertrauen in die Mitarbeitenden vor Ort.
Es bringt nichts, den Betreuungspersonen minuziöse Anweisungen zu geben, was das Kind isst, wann es zu schlafen hat und wie sie es beruhigen können. Sie werden es auf ihre Art und Weise machen und durch ihre Erfahrung die Bedürfnisse des Kindes deuten können. Solange es liebevoll und im besten Interesse des Kindes ist, empfinde ich die Kita-Betreuung – für uns als Eltern wie auch für meine Tochter – als eine enorme Bereicherung.

KiMi wünscht viel Freude beim Entdecken und Experimentieren.
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