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Männer in der Kita

Das Personal in Kinderbetreuungseinrichtungen ist immer noch mehrheitlich weiblich. Männer entscheiden sich nur selten für den Beruf. Mancherorts sind sie mit Argwohn und Vorurteilen konfrontiert. Doch soziale Berufe sind auch Männerberufe. Sie fordern uns als Persönlichkeit heraus und bereichern unser Leben. Denn diese Arbeit macht Sinn. Und aus pädagogischer Sicht ist es wichtig für Kinder, auch männliche Vorbilder zu haben, die ihren Alltag begleiten. KiMi Mitarbeiter Manuel, ausgebildeter Fachmann Betreuung, hat sich unseren Fragen gestellt.

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Hallo Manuel, schön dass du dich bereit erklärt hast, mit mir zum Thema Männer als Erzieher zu sprechen und dir hierfür Zeit nimmst. Wie lange bist du schon als Erzieher tätig?

Ich arbeite seit 3 Jahren als Erzieher. Ich habe hier bei KiMi die dreijährige Lehre zum Fachmann Betreuung gemacht und bin nun seit einem Jahr als Gruppenleiter tätig.

Wie ergeht es dir als Mann in diesem Beruf, gibt es auch Vorbehalte dir als Mann gegenüber?

Ja, Vorurteile gibt es in den Köpfen der Menschen immer, aber ich versuche diese zu entkräften und Unsicherheiten nicht entstehen zu lassen, indem ich mich entsprechend verhalte. Z.B. lasse ich immer die Türen offen und versuche klar und deutlich zu kommunizieren. Bisher habe ich eigentlich keine Rückmeldung bekommen, dass sich Eltern unwohl gefühlt haben. Ich habe ein paar Mal gehört, dass Eltern es begrüssen, dass es auch männliche Betreuer gibt.

Warum braucht es Männer als Erzieher bzw. welche Qualitäten bringen Männer mit, die bei Frauen evtl. nicht so stark ausgeprägt sind? 

Für Kinder ist es gut sowohl weibliche wie auch männliche Bezugspersonen bzw. Geschlechterrollen zu haben und ein Verständnis für beide Geschlechter zu entwickeln. Männer und Frauen bringen teilweise unterschiedliche Qualitäten im Umgang mit Kindern mit und somit können Kinder vielfältigere Erfahrungen sammeln. Männer sind z.B. tendenziell etwas weniger abgeneigt sich dreckig zu machen, im Matsch zu spielen, in den Wald zu gehen. Manch einer bringt eventuell mehr handwerkliche Erfahrung mit und kann so mit den Kindern auch mal handwerkliche Aktivitäten ausüben und zum Beispiel eine Spielhütte aufbauen. Das muss nicht unbedingt geschlechterbedingt sein, in meinem Fall habe ich auch ein Interesse an diesen Themen. Wenn ich Sachen mit den Kindern aufbaue, habe ich die Möglichkeit den Kindern auch etwas beizubringen und den Umgang mit den Materialien und Werkzeugen zu lehren. Kinder haben so viel Freude daran mitzuhelfen, Dinge zu reparieren oder entstehen zu lassen.

Empfindest du, dass es für Kinder einen Unterschied macht, ob sie von Männern oder Frauen betreut werden (oder nur für manche Eltern)?

Ich denke es ist für Kinder eine Bereicherung von beiden Geschlechtern betreut zu werden, denn wir sind ja nicht geschlechtsneutral. Kinder lernen beide Geschlechter kennen, werden mit beiden Rollenbildern vertraut und es ist wichtig für ein Kind sich damit auseinander zu setzen. Manchmal, vor allem im Hort-Alter kommen Fragen auf, die ein Junge vielleicht lieber mit einem männlichen Betreuer oder ein Mädchen lieber mit einer Betreuerin bespricht.

Wie könnte man mehr Männer für den Beruf als Erzieher gewinnen?

Das Angebot sollte attraktiver werden. Vielleicht hilft es auch, wenn mehr männliche Betreuer mit Kindern in der Werbung gezeigt werden. So dass Berufsanfänger auch sehen, dass nicht nur Frauen in diesem Beruf arbeiten, dass man auch Kollegen hat. Wenn man nur Frauen sieht, schreckt das vielleicht ab. Ausserdem ist der Lohn nicht sehr attraktiv. Ich habe mehrere Kollegen, die sich für den Beruf interessiert haben, aber sich dann für Pflegekraft im Altersheim entschieden haben. Nicht zuletzt hat der Beruf bei vielen noch ein etwas negatives Image und erhält nicht viel Anerkennung. Man wird oft belächelt so nach dem Motto «da spielt man ja nur den ganzen Tag». Doch da täuscht man sich sehr.

Warum hast du dich trotzdem für diesen Beruf entschieden?

Weil mir der soziale Aspekt wichtig ist und ich gerne mit Menschen arbeite. Ich schätze es, Kinder auf ihrem Weg ins Leben begleiten zu dürfen. Die Leidenschaft für diesen Beruf beruht für mich darauf, Kinder wachsen zu sehen, nicht nur im körperlichen, sondern vielmehr im geistigen Sinne. Ausserdem habe ich während meines Praktikums in der Kita bemerkt, dass ich auch im privaten Umfeld dank meiner Ausbildung eine grosse Hilfe sein kann wenn Kollegen und Freunde, auf mich zukommen und um Rat fragen in Bezug auf Kinder. Das wird sehr geschätzt. Das motiviert mich dann auch. Das ist wirklich schön.

Was wünschst du dir für deine berufliche Zukunft? 

Ich würde nicht viel ändern. Es gefällt mir wie es ist. Aber natürlich würde ich es schön finden, wenn mehr Männer sich für den Beruf entscheiden würden. Das wäre schön, auch für die Kinder und auch für die gesamte Ideenfindung. Es braucht die Vielfalt und die Unterschiede, die verschiedenen Rollen. So kommen tolle neue Ideen für das Spiel und Miteinander auf.
Vielfalt bringt Veränderung, neue Ideen, neue Meinungen und damit Entwicklung. Aus neuen Ideen werden neue Projekte, die für Kinder etwas Phantastisches sind, aus denen Kindern etwas lernen können und sie wachsen können. Diversität und Ideenvielfalt sollte man noch viel mehr fördern nicht nur in Bezug auf das Geschlecht.

Möchtest du noch etwas ergänzen?

Was ich noch betonen und besonders den Männern da draussen mitgeben möchte, ist, dass der Beruf mehr als nur ein bisschen Spielen ist, sondern ein intensives Wachsen mit den Kindern. Wir helfen Kindern nicht nur zu wachsen, sich zu eigenständigen und selbstständigen Persönlichkeiten zu entwickeln, sondern auch wir wachsen mit ihnen. Der Beruf ist etwas Intensives, das man mit den Menschen erlebt, lebt und weitergibt.

Herzlichen Dank für das offene Gespräch!

KiMi wünscht viel Freude beim Entdecken und Experimentieren.
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und vergiss die Hashtags #kimikrippen & #gemeinsamdieweltentdecken nicht!